Bitte protestieren Sie mit uns gegen eine neue Belastungswelle, mit der sich die Steuerreform ad absurdum führt, bevor sie überhaupt begonnen hat.


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Hier lesen Sie warum:
Die Mehrwertsteuer auf Kinotickets, Bücher und Theaterkarten soll von 10% auf 20% verdoppelt werden. Angeblich geht es um die Streichung von Steuerausnahmen. Tatsächlich geht es um die Erhöhung von Steuern in einem sehr sensiblen Bereich. Bisher waren Kultur, Information und Unterhaltung steuerlich den Lebensmitteln und den Mieten gleichgestellt. Nicht ohne Grund sind in fast allen europäischen Ländern kulturelle Waren und Dienstleistungen mit einem ermäßigten Steuersatz belegt. Kultur und Information sind in einem demokratischen und gebildeten Gemeinwesen unverzichtbar. Die Teilnahme am Kulturleben ist ein Menschenrecht, sollte besonders geschützt und gefördert werden und darf keinesfalls an finanziellen Barrieren scheitern. Film ist Teil der Alltagskultur und wird europaweit als förderungswürdiges Kulturgut gesehen.

Abgesehen davon werden die beiden Regierungsparteien ihrer Ankündigung untreu, die kleinen Einkommen zu entlasten und die Kaufkraft zu stärken. Das Kino als leistbares Alltagsvergnügen für Jung und Alt wird gerade für Menschen, die sich ihr Geld sorgfältig einteilen müssen, schmerzlich teurer: für Familien, für SchülerInnen und StudentInnen, für junge Menschen am Beginn ihres Berufslebens, aber auch für Seniorinnen und Senioren. Und wo soll die Belebung des Konsums herkommen, wenn man durch Erhöhung der indirekten Steuern gleichzeitig die Kaufkraft schwächt? Was soll das für eine Steuer-„reform“ sein, die (in besonderem Ausmaß) den GeringverdienerInnen das Geld vorher wegnimmt, das sie ihnen nachher großzügig schenkt?

In den letzten Jahren hat die Filmwirtschaft große finanzielle Anstrengungen unternommen, die Leinwände schnellstmöglich zu digitalisieren, ohne die KinogeherInnen finanziell zu belasten. Österreich hatte hier eine europaweit bewunderte Vorbild-Funktion, weil die Digitalisierung durchgeführt wurde, ohne die kleineren Kinos in ihrem Bestand zu schwächen. Diesen Erfolg durch eine Steuerverdoppelung zu gefährden, erscheint angesichts der großen Herausforderungen, die in den nächsten Jahren auf die Kinos zukommen, grob fahrlässig. Netflix, iTunes und andere große Internetportale versuchen mit verlockenden Einstiegsangeboten, den Kinos möglichst viele ZuschauerInnen zu entreißen. Die Kinos haben gezielt in Ausstattung und Komfort investiert und zugleich eine mehr als maßvolle Preispolitik betrieben. Denn das Internet kann langfristig das Kinoerlebnis nicht ersetzen, kurzfristig aber sehr wohl einen Teil der Kinos zum Verschwinden bringen. Statt einer Wertschöpfung in Österreich fließen dann die Interneterlöse ungehindert ins Ausland ab und werden in Luxemburg oder anderswo versteuert.

Diesen Aufruf haben wir aufgrund unserer unmittelbaren Betroffenheit als KinobetreiberInnen geschrieben. Aber unsere Solidarität gilt selbstverständlich auch den ebenfalls davon betroffenen AutorInnen, SchauspielerInnen, MusikerInnen und bildenden KünstlerInnen. Und sie gilt den kleinen Verlagen und BuchhändlerInnen, den Klein- und Mittelbühnen und all den regionalen KulturveranstalterInnen, die mit großem Engagement und unter schwierigen materiellen Bedingungen tagtäglich als kulturelle NahversorgerInnen tätig sind.

Die Republik Österreich hat sich in den letzten Jahrzehnten auf der internationalen Bühne als Kulturnation positioniert. Und sie ist sehr gut damit gefahren. Österreichs internationales Ansehen basiert sehr wesentlich auf der Vielschichtigkeit der Gegenwartskultur und ihren Möglichkeiten, sich ungehindert zu entfalten. Der finanzielle Nutzen einer Mehrwertsteuererhöhung wäre vergleichsweise gering. Der daraus entstehende Schaden wäre ungleich größer.

Bitte helfen Sie mit, den besonderen Stellenwert von Freizeit und Kultur in Österreich beizubehalten und zugleich unsoziale Belastungen abzuwenden.

Die österreichischen Kinos

Wien im Dezember 2014


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